TURNERSCHAFT
GROSSBURGWEDEL
HANDBALL

SPANNUNG - EMOTION - LEIDENSCHAFT

1. Herren

14.03.16

Wettbewerbsverzerrung in Liga 3?

Jürgen BätjerAm vergangenen Sonntag war es mal wieder soweit. Torge Johannsen von der TSV Hannover-Burgdorf, der nach monatelanger Verletzungspause Spielpraxis sammeln sollte, wurde beim Spiel der 3. Liga Nord zwischen dem TSV Burgdorf II und dem Dessau-Rosslauer HV eingesetzt. Johannsen warf sieben Tore, Burgdorf gewann knapp mit zwei Toren und Dessau-Rosslau muss nun in den letzten Wochen der Saison wieder um den fast schon sicheren Aufstieg in die 2. Bundesliga zittern. Keine Frage, alles ist mit rechten Dingen zugegangen, am Einsatz von Johannsen gibt es nach den Statuten des Deutschen Handballbundes nichts zu beanstanden, ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem. Ähnlich war es auch am 20.02.2016 als die Reservemannschaft der Füchse Berlin bei der Turnerschaft Großburgwedel mit Nationalspieler Paul Drux auflief. Die Beweggründe der Hauptstädter waren die gleichen wie auch im Fall von Torge Johannsen. Auch Paul Drux war zuvor lange verletzt und sollte durch Einsatzzeiten unter realen Bedingungen an die Wettkampfhärte herangeführt werden. Allein die Anwesenheit eines aktuellen Nationalspielers bei einem Spiel der 3. Liga hat bei den Gastgebern für ordentlich Respekt gesorgt. Trotzdem konnte Großburgwedel zumindest noch einen Punkt ergattern, die Partie gegen die Jungfüchse endete 25:25. Für Berlin bedeutete das Unentschieden einen wichtigen Punktgewinn im Abstiegskampf.

Am letzten Sonntag war Paul Drux schon wieder mit der Deutschen Nationalmannschaft im Länderspiel gegen Katar im Einsatz und rückblickend wurmt TS Großburgwedels Trainer Jürgen Bätjer (Foto) der Einsatz von Drux enorm: „Ich mache mir schon so meine Gedanken, wenn ich sonntags auf dem Sofa sitze, um mir das Länderspiel gegen Katar anzusehen und dabei einen Spieler sehe, der drei Wochen zuvor noch bei uns in Großburgwedel aktiv war und mit seiner Mannschaft einen wichtigen Punkt gewonnen hat. Auch wenn nach den Regularien alles rechtens ist, weiß ich nicht, ob man hier oder auch in anderen ähnlichen Fällen noch von echter Chancengleichheit sprechen kann. In der Nordstaffel der 3. Liga spielen vier Nachwuchsteams von Bundesligisten, bundesweit sind es immerhin neun Reserveteams. Der eigentliche Zweck dieser Mannschaften ist die Ausbildung von Nachwuchstalenten und das Heranführen an die 1. oder 2. Bundesliga. Das ist eine gute Möglichkeit, die ich auch ausdrücklich unterstützen möchte. Wenn in der 3. Liga aber in einzelnen Partien gestandenen Bundesligaprofis eingesetzt werden, so ist dies eindeutig Wettbewerbsverzerrung. Für mich macht es inzwischen schon fast keinen Sinn mehr, mir Videos der zweiten Mannschaften in unserer Staffel anzusehen. Ich weiß am Spieltag sowieso nicht, ob bestimmte Spieler zum Einsatz kommen oder nicht. Manchmal hat man Glück und die Bundesliga spielt parallel, manchmal eben nicht. Gerade in der Zeit von Anfang Januar bis Mitte Februar, wenn jedes Jahr die Welt- oder Europameisterschaften im Handball stattfinden, nutzen die Bundesligisten die spielfreie Zeit in der Bundesliga gerne aus, um einzelnen Spielern Einsatzzeiten in Liga 3 zu geben. Das ist zwar spielrechtlich möglich, es verzerrt den sportlichen Wettbewerb in der 3. Liga aber gewaltig. Alle anderen Vereine sind hier schon ein wenig der Willkür der Bundesligisten ausgesetzt und unter sportlichen Gesichtspunkten ärgert mich dieser Umstand schon sehr. Zum Glück haben wir weder mit dem Aufstieg noch mit dem Abstieg etwas zu tun. Andere Vereine sehen dies sicherlich ähnlich, wenn nicht sogar noch krasser.“

Das Problem ist dem Deutschen Handballbund durchaus bewusst und es sind auch schon einige Ideen für weniger Wettbewerbsverzerrung in der 3. Liga entwickelt worden. Denkbar wäre beispielsweise, dass alle Mannschaften vor der Saison eine Kaderliste mit 20 oder 22 Spielern einreichen müssen und in der laufenden Saison nur aus diesem Kader Spieler einsetzten dürfen. Auch ein generelles Spielverbot für Bundesligaprofis bei Spielen der 3. Liga wäre denkbar. Ob sich der DHB hier allerdings zu einer Regeländerung durchringen wird, ist mehr als fraglich. Die Bundesligisten werden von einer derartigen Änderung der Spielordnung vermutlich nicht begeistert sein. Zur Diskussion steht die sportliche Qualität der Liga 3. Soll hier künftig ein echter und fairer Wettbewerb stattfinden oder geht es den Verantwortlichen des DHB letztlich nur um die beiden Bundesligen und die Nationalmannschaft?




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