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13.11.16

Horst seine Sicht

Horst RammHSGB-Fan und Handballromantiker Horst Ramm war heute fleißig. Seine wöchentliche Sicht auf die Handballszene wurde schon heute fertig, nachdem er gestern noch beim Spiel des ruhmreichen TV Großwallstadt live auf der Ramhorst war. Danke an Horst für seine Sicht und Ihnen und Euch viel Spaß beim Lesen:

Freunde!

Ich will euch nicht langweilen. Aber es muss raus. Es brodelt schon wieder in mir…

6.März 1976: der kleine Horst sitzt zu Hause vor dem Schwarz-Weiss-Fernseher und schaut sich ein Handballspiel an. Er spürt, es muss etwas ganz Besonderes sein. Auf dem ersten und auf dem zweiten Programm gibt es fast nie Handballspiele als Live-Übertragung. Deutschland gegen die DDR. In Karl-Marx-Stadt. Das Rückspiel in der Qualifikation für die olympischen Spiele in Montreal 1976.  So richtig versteht er es nicht. Aber die Stimme des Reporters ist anders als sonst. Und die Worte, die der Reporter benutzt, kennt er nicht im Zusammenhang mit Sport. Klassenkampf bedeutet für ihn „Ärger mit der 4 B“. Und der muss aus dem Weg geräumt werden.

Er versteht, dass die BRD (also seine Mannschaft) das Hinspiel mit drei Toren Vorsprung gewonnen hatte.

Und jetzt kurz vor Schluss steht es 11:8 (!!!) für die DDR… In der gefühlt 65. Minute des Spiels pfeift der Schiri plötzlich (ich muss erwähnen, dass die Schiedsrichter damals für die Zeitnahme selbst verantwortlich waren und Nachspielzeit durchaus üblich war). Er zeigt auf die 7 Meter-Linie und es kommt zum ultimativen Showdown im deutsch-deutschen Duell! West gegen Ost! Gut gegen Böse! Hofmann gegen Engel! Es ist DER 7 Meter des Handballsports!

Ich sehe es immer noch vor mir. Engel täuscht 1x an. Und wirft dann halbhoch. Das linke Knie von Hofmann zuckt kurz hoch und der Ball fliegt unter die Hallendecke. Gehalten! Abpfiff des Spiels! Dann brachen alle Dämme. Eine kapitalistische Jubeltraube in der sozialistischen Volkssporthalle.

Das Gute hatte zum Glück mal wieder gewonnen!

Warum ich soweit aushole? Der Held von damals hieß Manfred Hofmann und spielte beim TV Großwallstadt. Er zählte zu den besten Torhütern der Welt in einer der besten Vereinsmannschaften der Welt.

Und genau dieser TV Großwallstadt war am Samstag zu Gast in unserer Halle.

27:28 Niederlage!

Das Ergebnis klingt knapper als es am Ende tatsächlich war. Auch als nicht ganz neutraler Zuschauer mit leicht verklärtem Blick durch die HSGB-Brille hatte ich fast nie das Gefühl, dass da etwas zu holen sei. Nur kurz nach der Pause schien das Spiel zu kippen. Aber eine konzentrierte Abwehrarbeit unserer Gäste mit darauffolgenden leichten Toren fror die kurzfristig aufkeimende Hoffnung wieder ein.

Dass am Ende nur ein Sieg mit einem Tor dabei rauskam, lag daran, dass sie die letzten fünf Minuten emotionslos und ohne Spannung runtergespielt haben. Das letzte HSGB-Tor fiel vier Sekunden vor dem Ende, so dass auch keine Möglichkeit mehr bestand, das Spiel zu kippen und den Spielverlauf auch nach außen erkennbar auf den Kopf zu stellen.

Der TV Großwallstadt war die beste Mannschaft, die sich bisher hier vorgestellt hat. Der Handballromantiker in mir würde sich freuen, diesen Traditionsverein wieder in der Bundesliga zu sehen, z.B. gegen Gummersbach. Wie damals. Klühspieß Erben gegen die Enkel von Wunderlich!

Ein bisschen schade ist es für Christian Hoff und Jannis Wilken, die auf mich gehört haben und auch mal das Trikot ausziehen wollten. Sehr gute Leistung von euch beiden!!!

Bei meinen Recherchen zum Spiel und zu unserem Gast bin ich auf eine Geschichte gestoßen, die mir vor Lachen eine beginnende Inkontinenz beschert hat.

In der legendären Mannschaft des TV Großwallstadt spielte über viele Jahre auch Manfred Freisler auf Halblinks. Nach Beendigung seiner Handballkarriere absolvierte er ein Studium für Sozialpädagogik. Das alleine hat mir noch nicht die Tränen ins Gesicht getrieben.

Nein, aber heute arbeitet Manfred Freisler als Anti-Aggressions-Therapeut! Was Geileres habe ich selten gelesen. Ein Weltklassehandballer zeigt anderen Menschen wie sie ihre Aggressionen kontrolliert kriegen.

Der Handballsport an sich beherbergt eine Grundaggression. Die Körperlichkeit gehört dazu wie der Schaum auf meinem Gezapften. Und dann stellt sich ausgerechnet ein ehemaliger Weltklassehandballer vor eine Gruppe und sagt: „Ihr dürft nicht so aggressiv sein. Ihr müsst das anders lösen!“

Wie willst Du das denn lösen, wenn ca. 100 kg zwischen zwei Abwehrspielern durchbrechen wollen???

„Nee, lass mal bitte. Einer von uns beiden wird sich weh tun. Das wollen wir doch beide nicht...“

Ein Handballspieler als Anti-Aggressions-Therapeut ist ungefähr genauso absurd wie die Vorstellung, dass ich mir eine Tofu-Wurst aus meiner bevorzugten vegan ausgerichteten Fleischerei auf meinen Gasgrill lege. Und dazu ein schönes Alster aus kalorienreduzierter Zitronenlimonade und alkoholfreiem Bier genieße. Auch das kann es eigentlich nicht geben…

Obwohl so ein Kurs zur Selbstbeherrschung wäre vielleicht was für den Sven…

Jetzt geht es mir wieder besser! Bis zum nächsten Mal!

Euer Horst




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